Qualität und Produktivität
Betrachten wir die Entwicklungen am Dünn-blechmarkt und den Einfluss, die diese zwangsläufig auf neue Generationen von Abkantpres-sen und die dazugehörigen Werkzeuge haben werden, können wir feststellen, dass sich dieser Einfluss in großem Maße auf die Themen Pro-duktivität (und somit auf den Preis pro Biegung) und Qualität (die Tx/Ty-Frage) konzentriert.
Die Realisierung besserer Qualität und höherer Produktivität beim Abkanten basiert auf dem Zusammenwirken von Maschinen und Werk- zeugen. Maschinenbauer liefern entscheidende Beiträge durch die Entwicklung der bereits genannten mehrachsigen, computergesteuerten Hinteranschläge sowie der mechanischen und optischen Sensoren. Durch die Erweiterung des Winkelmesssystems auf mehrere Punkte über die gesamte Länge der Biegung ist es im Prinzip möglich, während eines Biegezyklus auch die Bombierung computergesteuert anzupassen (adaptives Biegen). Dies erscheint wie ein logischer Schritt in Richtung einer weiteren Optimie- rung des Abkanten, obwohl sich immer wieder die Frage der Abwägung zwischen Qualität und Kosten stellt. Vor allem in Situationen mit relativ geringen Biegekräften scheinen sich für elektrische Abkantpressen Möglichkeiten zu bieten. Der Oberbalken wird dabei beispielsweise mit einer Kugelumlaufspindel oder von einem Riemen-system bewegt. Theoretisch wird dabei über die gesamte Länge der Maschine eine konstante (und maximale) Presskraft erreicht. Pneumatische Antriebe sind in der Praxis weniger geeignet, vor allem, wenn man die steigenden Anforderungen an die Präzision berücksichtigt. Auch die Automatisierung des Abkantens gelangt mehr und mehr in den Blickwinkel der Maschinenbauer, um die Reproduzierbarkeit des Verfahrens zu vergrößern und um bei den teuren und oftmals nur schwer zu findenden (qualifizierten) Arbeitskräften einzusparen.
Der automatische Werkzeugwechsel, das Roboter-Handling von Blecherzeugnissen, in Kombination mit automatischen Lagersystemen: all dies steht vor der Tür. Insbesondere für Blechzulieferer mit häufig wechselnden Aufträgen könnte dies der Weg in die Zukunft sein. Maschinenbauer, wie beispielsweise Amada, Finn-Power, LVD und Trumpf sind, was Abkantpressen betrifft, heute bereits weit auf diesem Weg vorangekommen. Im Bereich von Werkzeug- und Klemmsystemen scheint der New Standard von Wila einer Erfolg versprechenden Zukunft entgegenzugehen. Zusammen mit dem Universal Press Brake Concept von Wila wird die Flexibilität des Abkantens stark vergrößert und zudem eine optimale Kontrolle von Tx und Ty ermöglicht.
Die New Standard-Werkzeuge sind darüber hinaus bereits voll auf den zukünftigen automatischen Werkzeugwechsel vorbereitet. Da der Kundengabelungspunkt weiter stromabwärts verlagert wird, nimmt auch die Flexibilität des Maschinenbauers enorm zu. Gleichzeitig hat es (im Hinblick auf Flexibilität und Reparaturkosten) den Anschein, dass die Zukunft nicht nur bei den Werkzeugen, sondern auch bei den Klemmsystemen dem Modul-Aufbau gehört. Dieser bietet auch hinsichtlich Reparaturen und Instandhaltung große Vorteile. Außerdem trägt er dazu bei, die wirtschaftliche Lebensdauer der Abkantpresse erheblich verlängern zu können. Neben mechanischen Klemmsystemen sind inzwischen auch die ersten Hydraulikmodelle, bei denen die Klemmung aller Werkzeuge in einem Arbeitsgang vorgenommen werden kann und die so zur weiteren Verkürzung der Umrüstzeiten beitragen, auf dem Markt erschienen.
Dank der Anstrengungen und des Innovations-vermögens von Maschinenbauern und Werkzeugmachern beginnt das Abkanten, sich zu einer hochentwickelten und fortschrittlichen Aktivität im Rahmen der Metallbearbeitung zu entwickeln. Dies dürfte nach den hier geschilderten Entwicklungen deutlich sein.
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